Industrial-Style und „modern Bauhaus“ – Traditionell futuristisch
Die Welt fand seit einem Jahr wieder Schlaf. Die Wirren und Wunden der Ur-Katastrophe des letzten Jahrhunderts begannen langsam zu heilen. Für Europa und für Deutschland war es an der Zeit zurück zur Normalität und zurück zur Kreativität zu finden. Die Gründung neuer Kunstschulen war 1919 nichts Besonderes. Die Jahre der Dunkelheit wollten mit Wiederaufbau und Wachstum aus den Köpfen vertrieben werden!
Die Gründung DIESER Kunstschule in Weimar, war hingegen ein Quantensprung, veränderte es schlicht die Welt von Design und Formgebung. Die Verbindung von Handwerk und Kunst, von Profanem und Ästhetischem, war sowohl in Ihrer Art als auch in Ihrer Konzeption etwas unerhört Innovatives. Im Rückspiegel der Kunst- und Architekturgeschichte ist die Zeit der Bauhaus-Innovation von 1919 bis 1933 eine der prägendsten Epochen der letzten 300 Jahre!
Ohne diese Zeit wären zeitgenössische Strömungen und die entsprechenden Gegenbewegungen unmöglich gewesen. Ohne Bauhaus, keine klassische Moderne und Ohne Bauhaus keine Avantgarde. Die Strahlkraft des Bauhauses und Ihre Auswirkungen in die bildenden Künste ist bis zum heutigen Tag spürbar und nach wie vor prägend für das Gros des modernen Designs.
Bauhaus – die Stunde Null
Beginnen sollte es eigentlich mit der Emanzipation der Kunst! Gropius Plan war es, zusammen mit Henry van de Velde, das Kunsthandwerk und die damit verbundenen Traditionen des Schaffens und Formens in die zeitgenössische Werkkultur und Fertigungsmöglichkeit einzubetten. Die Idee ist auch aus heutiger Perspektive freibeuterisch mutig. Gropius verband die Tradition der Vergangenheit, beispielsweise die disziplininerte und nüchterne Ästhetik der perfekten Form, mit den futuristischen Möglichkeiten der Zukunft. Die Verbindung von Tradition und Moderne ist Stilprägend für das Denken und Schaffen dieser Zeit! Für Gropius war das gegenwärtige Denken „über die Kunst“: „Kunst als industrielle Kopie der vergangenen Zeiten“ ein Unding. Für den „Bauhaus-Gründer“ stand die Verbindung und die Verschmelzung unterschiedlicher Positionen und Betrachtungsweisen im Mittelpunkt.
Mit der Rückbesinnung auf das Handwerk war die gestalterische Intention damit verbunden, experimentell und manuell eine neue Formensprache zu entwickeln, die dem industriellen Herstellungsprozess gerecht wird. Sinnspendend für das „Bauhaus“ ist das Gesamtkunstwerk. Mit dem Dogma: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeiten ist der Bau.“ War die Stoßrichtung des Bauhauses klar vorgegeben. Die Kunst wird erst zur Kunst, wenn diese gebaut wurde! Die Ideen und Inspirationen der Architektur befruchteten selbstverständlich auch weitere Felder der bildenden Künste: Industriedesign, die graphische Kunst und natürlich die Formgebung von Alltagsgegenständen. Die Ideen und der Spirit des Bauhauses war auch der Startpunkt des modernen Möbeldesigns und game-changer für Handwerk, Design und Fertigung rund um das perfekte Möbel.
Material, Form, Design und Kunst – über alle Grenzen hinweg
Stahlrohr, Leder, ein freitragendes Konstrukt – der niederländische Designer und Architekt Mart Stam ist ein bekanntes Beispiel für die übergreifende Zusammenarbeit von Handwerkern, Designern, Architekten und Bildhauern. Der Stam-Stuhl (1926) bedient sich am Material des Stahlrohrs, welches zuvor im Bereich der Architektur Verwendung fand und setzt dieses in einem neuen und spektakulären Umfeld ein. Beseelt von Geiste 1919 wurde auf verschiedene Art und Weise fachübergreifend zusammengearbeitet und neue Entwürfe geboren.
Im Kern des „Bauhaus-Möbels“ steht die verbindende Idee. Handwerkliche und künstlerische Perfektion in der Liason von Form und Funktion und die fortschrittliche industrielle Serienproduktion. Die Verknüpfung von Form und Funktion ermöglicht es dem Formschmied der Bauhauszeit den Anspruch an Schönheit und den Anspruch und Zweck in einem Werkstück zu befriedigen.
Der Barcelona Sessel (1929) aus den Händen des Designers Ludwig Mies van der Rohde vereint ähnlich des Stam-Stuhls, Ästhetik und Praxistauglichkeit. Einfaches Design, klare Formen und eine zeitlose Eleganz stehen für den Jahrhundertsessels, der für die Weltausstellung in Barcelona 1929 entworfen wurde. Der Barcelona Sessel setzt die Botschaft dieser Epoche eindrucksvoll in Szene: „Keine Kompromisse!“
Der Stil der Bauhaus-Möbel
Kein Kitsch, keine überflüssige Dekoration und keine naive Auseinandersetzung mit Farbe – so liest sich die „Streichliste“ der frühen Bauhaus-Möbel. Wertige und klare Oberflächen, wie Stahlrohr oder Leder in dunklen Tönen, und praxistaugliche Materialien, die robust, leicht und haltbar sind, so lautet das Grundrezept hinter den Möbeln dieser Epoche. Neue industrielle Fertigungsmethoden, wie die Formpressung von Stahlrohren oder die Verwendung von Sperrhölzern gab den Formschmieden dieser Zeit neue Ausdrucksmöglichkeiten in der Verbindung von äußerer Form und innerer Perfektion. Klassische Schönheitsideale und moderne Fertigungsprozesse schufen Möbelformen, die Jahre zuvor als unmöglich in den Archiven ihrer Planer verschwunden wären.
Freischwebende Stühle, verworrene Sitzflächen auf Stühlen oder progressive Kanten, die sich in der Unendlichkeit der Form verlaufen, konnten dank moderner Fertigung und frischem Material realisiert werden. Dieser Aspekt des industriellen Fortschritts gab Formschmieden neue Ausdrucksmöglichkeiten an die formende Hand. Die technische Revolution erschuf die Design-Revolution!
Von gestern, über heute ins morgen – Bauhaus reloaded
Design ist die Weiterentwicklung des Vergangenen. Die Schönheitsideale der Vergangenheit sind auch in der heutigen Zeit gültig. Bauhaus ist auch 2018! Wir zeigen Ihnen hier zwei Möbelstücke, die besselt sind von der Ästethik und dem Anspruch der Vergangenheit. Erleben Sie zeitlose Schönheit und vollendetes Design in Form eines Sideboards und eines Beistelltischs. Wir präsentieren Ihnen Contur Pistoia und Contur Pavia.